Lafora

Die Lafora-Krankheit (LD) ist ein vergleichsweise häufiger und besonders schwerer Typ der Progressiven Myoklonus-Epilepsie. Die LD gibt es weltweit, aber die Prävalenz variiert und ist erhöht in geographischen Isolaten und in Regionen mit großer Häufigkeit von Verwandtenehen. In der westlichen Welt liegt die Prävalenz unter 1 : 1 Million. Die Krankheit beginnt in der Adoleszenz mit generalisierten tonisch-klonischen oder klonisch-tonisch-klonischen Krämpfen, Bewegungs- und Ruhe-Myoklonien, negativem Myoklonus und fokalen okzipitalen Krämpfen mit passagerer Amaurose. Der Verlauf ist gekennzeichnet durch einen erheblichen und schnellen Verfall der kognitiven Leistungen (erste Zeichen eines geistigen Abbaus können den motorischen Symptomen vorangehen) und durch eine stetige Zunahme der Intensität der Krämpfe und Myoklonien. Die Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt und ist genetisch heterogen. In 80% der Fälle liegt die Ursache in Mutationen oder Deletionen im EPM2A-Gen (Produkt: Laforin), das 1995 in die Chromosomenregion 6q24 kartiert wurde. Seltener ist das EPMB2B-Gen (Produkt: Malin) in der Chromosomenregion 6p22 verändert. Diese beiden Gene erklären nicht alle Fälle von LD. Der Verdacht auf das Vorliegen einer LD ergibt sich aus der Familiengeschichte, dem Erkrankungsalter, der typischen Symptomatik, der rapiden Verschlechterung der kognitiven Leistungen und dem recht typischen EEG-Muster. Die Diagnose kann durch eine Hautbiopsie in der Axilla mit Nachweis von Lafora-Körpern (Aggregate von Polyglukosanen) in den Zellen der Schweißdrüsengänge einfach bestätigt werden. Weitere Biopsien, z.B. Hirnbiopsien, sind im allgemeinen nicht erforderlich. Die molekulargenetische Diagnostik ist nur von begrenztem Nutzen, da wegen der genetischen Heterogenität der LD diese Krankheit nicht ausgeschlossen werden kann, wenn keine der bekannten Mutationen gefunden wurde. Eine vorgeburtliche Diagnostik ist theoretisch möglich, wenn bei einem betroffenen Familienmitglied, die pathogenen Mutationen gefunden wurden. In den übrigen Fällen ist die genetische Beratung schwierig. Die Behandlung der Patienten mit Antikonvulsiva und Anti-Myoklonika ist rein symptomatisch. Medikamente, die den Myoklonus verstärken können, müssen vermieden werden. Psychologische und soziale Betreuung sind bei der LD ganz entscheidend wichtig. Bei typischem Verlauf sterben die Patienten 4-10 Jahre nach Beginn der Krankheit.

Quelle: https://www.orpha.net/consor/cgi-bin/OC_Exp.php?Lng=DE&Expert=501

 

Weiterführende Links:

OMIM: https://www.omim.org/entry/254780

NCBI: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1389/

Lafora progressive Myoclonus Epilepsy mutation database: http://projects.tcag.ca/lafora/